2010年9月5日 星期日

Ein Kommunist



Herr Piper verdankt ihr sein Leben, scheint mir; Hanna heiratete ihn aus einem Lager heraus (soviel ich verstanden habe) ohne viel Besinnen, dank ihrer alten Vorliebe für Kommunisten.

Herr Piper war eine Enttäuschung, weil kein Kommunist, sondern Opportunist. Wie Hanna sagt: linientreu bis zum Verrat, neuerdings bereit, Konzentrationslager gutzufinden. Hanna lachte nur: Männer! Er unterwirft sich jeder Devise, um seine Filme machen zu können. Juni 1953 hat Hanna ihn verlassen. Er merke
es gar nicht, wenn er heute verkündet, was er gestern widerrufen hat, oder umgekehrt; was er verloren habe: ein spontanes Verhältnis zur Realität. Hanna berichtet ungern von ihm, dabei um so ausführlicher, je weniger es mich interessiert. Hanna findet es schade, beziehungsweise typisch für gewisse Männer, wie dieser Piper im Leben steht: stockblind, laut Hanna, ohne Kontakt. Früher habe er Humor besessen; jetzt lache er nur noch über den Westen. Hanna macht keine Vorwürfe, eigentlich lacht sie bloß über sich selbst, beziehungsweise über ihre Liebe zu Männern.

"Homo Farbe" Max Frisch